8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach

GA 70b/1916-01-14/p023 ·1916-01-14 · original (original)
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Dadurch ist allerdings für viele auch die Neigung entstanden [- und das ist die andere Seite -] nun zu glauben, dass dasjenige, in dem man da gearbeitet hatte, das «Um und Auf» des ganzen Weltendaseins sei: die Materie, an die man sich halten müsse, um die Naturtatsachen zu erforschen. Die Materie wurde zuletzt zum angebeteten Gotte; die trat vollständig und so betäubend in den Gesichtskreis der Menschen, dass sie von allem Geistigen hinweggeführt wurden. Aber die Naturwissenschaft selber, wenn sie auf ihrem Gebiete arbeitet, muss sich an die materiellen Tatsachen halten. Sie erlangt ihre Objektivität gerade dadurch, dass sie sich an die materiellen Tatsachen hält, und dadurch, kann man sagen, ist in berechtigter Weise in die naturwissenschaftlichen Methoden ein Materialismus hineingekommen. Wenn er nur so weit angewendet wird, als man die Natur betrachten will, dann hat man diesen Materialismus sogar zu respektieren, dann hat man alle Achtung vor ihm zu haben. Denn nur dadurch, dass man nicht in konfuser Weise erst spekuliert hat alles Mögliche, was nicht die materiellen Vorgänge ergeben, sondern sich hält an dasjenige, was die Beobachtung der Vorgänge oder das Experiment enthüllen, also indem man naturwissenschaftlich vorgeht, kann man die großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Tatsachen zutage fördern, die dann auch in das praktische Leben eingreifen können. Und was diese materialistische Methode der Naturwissenschaft gerade an Seelendisziplin gebracht hat, was sie vor allen Dingen gebracht hat an seelenvollem Hingeben an das Geschehen, an die Ereignisse der Welt, an das Wesen der Natur, das muss vorbildlich sein auch in der Geistesforschung.

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