8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach
Missverständnisse, die der Geistesforschung entgegengebracht werden, werden sich im Grunde genommen auf keine andere Weise hinwegräumen lassen, als indem man immer mehr und mehr das wirklich kennenlernt, was in der Geistesforschung wirkt und lebt, und kennenlernt, wie das in der Geistesforschung Wirkende und Lebende durch eine innere Notwendigkeit in der Menschheitsentwicklung in die geistigen Impulse der Menschheit von jetzt ab so hineingetragen werden muss, wie das naturwissenschaftliche Denken seit drei bis vier Jahrhunderten hineingetragen worden ist. Daher braucht man sich nicht zu verwundern, wenn heute noch nicht diese Harmonie zwischen Naturforschung und Geisteswissenschaft überall gefunden werden kann. Im Gegenteil, man muss es voll begreiflich finden, wenn Geistesforschung von vielen einfach genommen wird wie eine Phantasterei. Und diejenigen, die in der Geisteswissenschaft feststehen, gründlich darinnen stehen, die werden dieses Missverstehen als etwas durchaus Begreifliches finden. Das schließt natürlich nicht aus, dass gesucht werden muss, die Missverständnisse aus dem Wege zu räumen und die Harmonie zwischen Naturerkenntnis und Geisteserkenntnis herzustellen.
Cite:
GA 70b/1916-01-14/p028 · edition original