8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach

GA 70b/1916-01-14/p041 ·1916-01-14 · original (original)
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Wenn man eben wirklich hineinschaut auf der einen Seite in das naturwissenschaftliche Arbeiten, auf der anderen Seite in das geisteswissenschaftliche Arbeiten, dann wird man finden, wie die beiden ineinander arbeiten, wie die beiden sich durchaus entgegenarbeiten und dann werden die Missverständnisse schwinden. Ja, sehr verehrte Anwesende, so werden sie schwinden, wie sie auf einem anderen Gebiete geschwunden sind. Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht. Heute glaubt noch mancher, der da vermeint, auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, dass er dies oder jenes gegen Geisteswissenschaft einwenden müsse. Wir haben gesehen, wie das begreiflich ist. Genau dasselbe ist es, wenn man die Sache in der richtigen Weise ansieht, was hervorgetreten ist, als sich die Menschen gewöhnen mussten daran, dass die Erde nicht stillsteht im Weltenraum, sondern mit rasender Geschwindigkeit sich bewegt, dass die Bewegung der Himmelskörper oder auch das Stillstehen der Sonne nicht so zu erklären ist wie früher, sondern in der kopernikanischen Weise zu erklären ist. Damals widersprach die neue naturwissenschaftliche Weltanschauung den Denkgewohnheiten. Und man glaubte insbesondere damals auf dem Boden des religiösen Bekenntnisses, dass man viel, viel gegen diese neuere naturwissenschaftliche Denkweise einwenden müsse. Man glaubte geradezu die Religion gefährdet durch diese neuere Naturwissenschaft. Durch diese neuere naturwissenschaftliche Denkforderung, mit der ja die Wissenschaft innig zusammenhing im Laufe der Jahrhunderte, ist eben manches anders geworden. Wer heute sich einlässt auf dasjenige, was dazumal gegen den Kopernikanismus, gegen den Galileismus eingewendet worden ist, der findet das geschichtlich interessant; aber heute macht es keinen besonderen Eindruck mehr. Die Denkgewohnheiten sind andere geworden. Dasjenige, was dazumal lebhaft bekämpft worden ist, ist heute eine Selbstverständlichkeit geworden für viele. Und das folgende Beispiel, das ich hier schon erwähnte in einem Vortrage des vorigen Winters, es darf immer wieder und wiederum vor die Seelen hingestellt werden.

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