8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach
An einer Universität hielt in den Neunzigerjahren ein Priester einen Vortrag über Galilei, er hielt diesen Vortrag über Galilei als Rektoratsrede. Er hielt einen ausgezeichneten Vortrag über Galilei, trotzdem er als Theologe das Rektorat seiner Universität antrat. Er sprach nicht über ein theologisches Thema, sondern er sprach als Christ, als rechter Christ über Galilei. Und er machte dazumal darauf aufmerksam, dass die Zeiten sich soweit geändert hätten, dass man sagen könne: Damals, als Galilei lebte, da fanden sich viele, die da glaubten, durch den Galileismus werde die Religion oder das Christentum in irgendeiner Weise gefährdet; dasjenige, was man früher wissen durfte, werde irgendwie gefährdet werden. Jetzt aber, sagte dieser Priester, sei man so weit, dass man erkannt habe: Durch keine Art von wissenschaftlichem Fortschritt könne jemals die Religion in Wirklichkeit gefährdet werden, sondern im Gegenteil, je mehr entdeckt werde von der Herrlichkeit der Schöpfung, desto mehr werde man bewundern lernen dasjenige, was als Göttliches lebt in der Welt.
Cite:
GA 70b/1916-01-14/p042 · edition original