{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1916-01-14/p047","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Geisteswissenschaft will nichts anderes, als nun im Einzelnen studieren das Psychom, dasjenige, was sich als geistig-seelisch in der Realität ebenso ausbreitet wie die Stoffe, wie die Kräfte. Wahrhaft intensiv wird gerade der, der aus seiner Naturwissenschaft heraus arbeitet, in die Geisteswissenschaft hineindringen, wenn er noch die Kräfte dazu hat, die ja Haeckel selbstverständlich heute schon fehlen. Aber etwas wird sich herausstellen: Dass, sehr verehrte Anwesende, dass die Menschen in der Zukunft die Natur betrachten werden, [dass sie] auf sich wirken lassen werden das, was die Naturwissenschaft über die Natur zu sagen hat. Heute gibt es noch viele, die da glauben, was die Naturwissenschaft zu sagen hat, das seien Ergebnisse, die man nur zusammenzufassen brauche, dann gäbe es eine Weltanschauung; und dabei müsse man stehen bleiben. Diejenigen, die dies glauben, nennen sich Monisten und so weiter. Aber die Zeit wird kommen, wo man das, was die Naturwissenschaften geben, nicht als Ergebnisse allein betrachten wird, sondern wo man gerade einsehen wird, dass das, was die Naturwissenschaften geben, zu weiteren Fragen führt, ja erst zu den richtigen Fragen führt, wo jedes naturwissenschaftliche Buch, das zu Erkenntniszwecken und Erkenntniszielen studiert wird, nicht den Menschen verführen wird, eitel dabei stehen zu bleiben, was die Naturwissenschaft gibt, sondern ihn zu Fragen führen wird, zu höherem Erkenntnisbedürfnis führen wird. Die Zeit nähert sich, wo das Studium der Naturwissenschaft gerade Fragen aufwerfen wird, nicht den Menschen dazu verführen wird, bei den Ergebnissen der bloßen Naturwissenschaft stehen zu bleiben. Das Bedürfnis wird sich aus dem Studium der Naturwissenschaft ergeben, an die Erforschung des Geistes heranzutreten. Naturwissenschaft wird in der menschlichen Seele ein Bedürfnis erzeugen, und Geisteswissenschaft wird dieses Bedürfnis befriedigen. Wie sonst in der menschlichen Seele Bedürfnisse entstehen und sie befriedigt werden können durch das, was der Gang der Welt gibt, so werden Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft zusammenwirken wie Bedürfnis-Erzeugung und Bedürfnis-Befriedigung. Naturwissenschaft wird das geben, was wie eine sinnliche Realität sich organisiert und Bedürfnis entwickelt; Geisteswissenschaft wird dasjenige geben, was diesem Bedürfnisse dient. Wie die Pflanze aus der Erde wächst, aus dem Stoff der Erde dem Lichte sich zuneigt, das Bedürfnis nach Licht hat, wie das Licht ihr entgegentritt, wärmend und leuchtend die Sonnenkraft in die Pflanze hineindringt und das Leben der Pflanze erst möglich macht als ein einheitlich harmonisches Leben, so werden in der Zukunft diejenigen Bedürfnisse, die sich aus der Naturwissenschaft heraus entwickeln, wie dasjenige erscheinen, was aus dem Boden des Irdischen herauswächst, und dasjenige was Geisteswissenschaft zu bieten vermag, wird das dieses Irdische Überleuchtende und Erwärmende sein. Der Stoff wird das Licht suchen, das Licht wird den Stoff suchen. Naturwissenschaft wird selber wie ein höheres, verfeinertes Stoffliches dastehen. Geisteswissenschaft wird dazu da sein, dieses Stoffliche zu durchwärmen, zu erleuchten.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"8. Die Harmonie zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die Missverständnisse über die erstere und den ihr gewidmeten Bau in Dornach","site_heading":null,"date":"1916-01-14","location":null,"word_count":443,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-01-14/p047","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-01-14/p047"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1916-01-14/p047","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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