{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1916-02-15/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und durch nichts klarer, sehr verehrte Anwesende, als- ich möchte sagen - durch einen der größten Geister gerade auf dem Weltanschauungsgebiete der Franzosen merkt man, wie der Verstand in der Seele da vorzugsweise wirkt gerade. Descartes im Beginne des siebzehnten Jahrhunderts - oder Cartesius -, einer der größten Franzosen, von dem heute noch alle französischen Weltanschauungsmenschen im Grunde genommen abhängig sind, Descartes, er geht aus bei seiner Weltbetrachtung, bei der Schöpfung eines Weltbildes, er geht aus davon, dass er eigentlich an allem zweifeln will. Aber schon sein Erstes, zu dem er kommt: «Ich denke, also bin ich», das berühmte: «Cogito ergo sum» - trägt es nicht den Stempel des Verstandes? Schon in dem «ergo», in dem «also» liegt, dass sich der Verstand aus seinem Denken heraus sogar über die eigene Existenz klar werden will. Und dann geht er weiter. Und eine der merkwürdigsten Folgerungen ist diese bei Cartesius — bei Descartes - eine der merkwürdigsten Folgerungen ist diese, dass er nun versucht, mit dem Verstande sich ein Weltenbild zu machen. Aber wie wird dieses Weltenbild? Nun, wir brauchen nur ein Symptom dieses Weltenbildes vor die Seele zu stellen, so wird es uns gleich klar werden. Descartes kommt dazu, zu sagen: Wenn wir verfolgen die Welt, wir finden Seelisches, richtig Seelisches, Geistiges, nur innerhalb unseres eigene Selbst. Wenn wir die Welt außen betrachten, so ist sie uns überall Mechanismus; und die Tiere, sie sind für Cartesius - für Descartes - seelenlose Automaten, bloß bewegte Maschinen. Das ist nicht irgendetwas, was ich hier - ich möchte sagen — nur radikal ausspreche, sondern das ist Cartesius’ Überzeugung. Und weil sie so seine Überzeugung war, so wurden abhängig davon spätere französische Geister dadurch, dass sie im eminentesten Sinne den Materialismus oder Mechanismus schufen - denn der ist im Grunde genommen innerhalb der Völkerentwicklung französischen Ursprungs -, jenen Mechanismus, jenen Materialismus, der Goethe zum Beispiel schon in seiner Jugend entgegentrat, und von dem Goethe dazumal sagte: Ja, da schildern sie einem die Welt so, als ob alles, alles in ihr nur bewegte Atome wären, die sich hin und her stoßen; und wenn sie uns wenigstens zeigen könnten, wie die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen aus diesen sich stoßenden Atomen wirklich hervorgehen könne. Aber sie bleiben dabei, einem die ganze Welt nur wie eine Maschine vorzuführen. - Goethe wies diese Weltanschauung, dieses Weltenbild schon - aus dem in ihm waltenden Deutschen Idealismus -, schon in seiner Jugend zurück. Aber im Grunde genommen hat sich das bis in unsere Gegenwart herein verpflanzt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"9. Das Weltbild Des Deutschen Idealismus. Eine Betrachtung Im Hinblick Auf Unsere Schicksaltragende Zeit","site_heading":null,"date":"1916-02-15","location":null,"word_count":413,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-02-15/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-02-15/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1916-02-15/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}