10. Das Weltbild des deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Ganz besonders wichtig ist es, hinzublicken von dem gewonnenen Gesichtspunkte aus auf die französische Volksseele. Diese französische Volksseele, sie zeigt sich dem geisteswissenschaftlichen Blicke so, dass sie die Schartierung der Verstandesseele eigentlich ganz tonangebend hat. Alles dasjenige, was im französischen Geiste groß, aber auch einseitig erscheint, das rührt davon her, dass die Verstandesseele da zum besonderen Ausdrucke kommt. Und es sei nur dasjenige heute angeführt, was Einfluss hat auf die Entstehung eines eigentlichen Weltenbildes. Der größte Franzose auf diesem Gebiet, unter dessen Einfluss heute noch immer das französische Weltanschauungsleben steht, ist ja der am Ende des sechzehnten Jahrhunderts geborene und ins siebzehnte Jahrhundert hinein lebende Descartes oder Cartesius; gerade aber an diesem Descartes oder Cartesius, jenem Weltanschauungsmenschen, der in der Morgenröte der neueren Weltanschauungsentwicklung hervorgetreten ist — man kann sehen, wie gerade in ihm alles dasjenige lebt, was gerade aus dem Verstande heraus zu einem Weltbild führen kann. Es ist berühmt geworden sein Ausspruch «Ich denke - also bin ich.» Auf das Sein der Seele selber wird nun das Denken, das heißt, auf dasjenige, was in der Verstandesseele lebt, begründet.
Cite:
GA 70b/1916-02-19/p018 · edition original