10. Das Weltbild des deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Das ist dasjenige, was Goethe schon als junger Mann abstößt von einer Einseitigkeit, die hervorgegangen ist aus einer rein verstandesmäßigen Entfaltung eines Weltbildes. Und man kann im Grunde genommen bis zu dem heutigen Tage sehen, wie wirkt dieses mechanistische Weltenbild in dasjenige, was wir suchen in einer Weltanschauung, einer volkstümlichen Weltanschauung. Denn nur Einzelne haben sich herauszuarbeiten versucht, zum Beispiel der - ja, ich weiß nicht, ob man ihn heute, nach dem Kriegsbeginn, nach der Stimmung der Franzosen noch Bergson, nennen darf, den berühmten Philosophen, oder ob das Wort Bergson als sein Name in Frankreich jetzt verpönt ist, ich weiß es nicht - der berühmte Bergson, er versuchte es ja, sich in einer gewissen Weise herauszuarbeiten, aus dem Mechanismus. Es ist Bergson gerade, der, seit der Krieg ausgebrochen ist, man kann schon sagen, in der wüstesten Weise gegen deutsches Wesen, namentlich gegen deutsche Weltanschauung, Schimpfereien fortwährend seinen Franzosen vorbringt, und es zustande gebracht hat, seinen Parisern vorzuschwätzen, dass es gerade die Deutschen sind - die in einer gewissen Weise gerade zur Zeit des Deutschen Idealismus groß waren -, die aber nun so herabgekommen sind in der Gegenwart, [die Deutschen] seien ein Volk geworden, das nur noch sich mechanisch und maschinenhaft ausbildet. Die Deutschen seien ein Volk geworden, das selber nur eine Art Maschine darstelle!
Cite:
GA 70b/1916-02-19/p024 · edition original