{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1916-02-19/p030","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das hat - ich will jetzt absehen von der Entwicklung des ganzen Weltbildes -, das hat das Englische an sich. Von Milton und Bacon angefangen, überall zeigt sich das, dass eigentlich ein Weltenbild gesucht worden ist, das nur in den Dienst des eigentlich unmittelbar handgreiflichen Lebens gestellt werden soll. Doch davon will ich jetzt absehen, will nur darauf hinsehen, dass in der allerletzten Zeit dieses englische Volkstum, soweit es, insofern es wirklich aus dem britischen Volkstum heraus entstanden ist, zu einer ganz eigentümlichen Richtung geführt hat: Wahrheit, das ist dasjenige, was der Mensch, der einen Sinn hat für Wahrheit, als etwas betrachtet, das innig und intim als eine Wirklichkeit mit der Seele verbunden ist. Sehr verehrte Anwesende: Die Engländer - und in diesem Falle im Einklang mit den Amerikanern - haben ein Weltenbild ausgestaltet, das sie Pragmatismus nennen. Was ist dieser Pragmatismus? Nun, dieser Pragmatismus, sehr verehrte Anwesende, der ist vor allen Dingen dadurch charakteristisch, dass er die Wahrheit, den Begriff, die Idee der Wahrheit selber, in einer höchst eigentümlichen Weise behandelt. Wahrheit als etwas, was die Seele verbindet mit einer Wirklichkeit, mit einer geistigen Wirklichkeit, das erkennt dieser Pragmatismus, dieses urenglische Produkt, überhaupt nicht an. Wahrheit empfindet der Mensch als eine Vorstellung, als eine Idee - im Sinne des Pragmatismus - rein zu dem Zwecke, um die äußere Sinnenwelt, um die äußere handgreifliche Wirklichkeit zu behandeln, um in sie einzugreifen. Wahrheit ist im Sinne dieses Pragmatismus ein Begriff, der sich nützlich erweist für das äußere praktische Leben. Wahrheit als ein Werkzeug zur Nützlichkeit im alleräußersten Sinne, könnte man sagen, auch wissenschaftliche Wahrheit, so aufgefasst. Wahrheit hat keine selbstständige Bedeutung, sondern Wahrheit [dient] nur als ein Werkzeug, um sich im äußeren Leben zurechtzufinden - das ist dasjenige, was dieser Pragmatismus heraufgebracht hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"10. Das Weltbild des deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit","site_heading":null,"date":"1916-02-19","location":null,"word_count":292,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-02-19/p030","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-02-19/p030"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1916-02-19/p030","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}