10. Das Weltbild des deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Dadurch aber auch musste sich für Fichte ein Weltbild ergeben, das in dem die Welt durchflutenden Wollen dasjenige sah, was das eigentlich Wirksame in der Welt ist. Und das Wunderbare tritt nun bei Fichte auf, dass er sagt: Diese äußere Sinneswelt, wie sie uns entgegentritt, sie ist nicht das Wahre, Wirkliche. Warum ist sie da? Sie ist da, damit der Mensch innerhalb dieser Sinnenwelt selber als ein sinnliches Wesen erscheinen könne; damit in diesem Menschen das die Welt durchflutende Wollen, das sich als die die Welt durchsetzende göttliche Pflicht ausdrückt, dass dieses Wollen ein Material bilde, um die Pflicht, um das Moralische zu erfüllen. So wird die ganze Welt durchzogen für Fichte von moralischer Substanz, von moralischer Wirklichkeit. Die ganze Welt ist ihm ein geistig Ganzes von Pflicht, und dasjenige, was als Einzelnes da ist, das ist, damit die Pflicht, damit der Wille, damit das Göttliche, das im Willen Lebendige sich ausleben kann.
Cite:
GA 70b/1916-02-19/p044 · edition original