10. Das Weltbild des deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit
Das äußere Sinnliche nennt Fichte einen Stoff, nennt Fichte das versinnlichte Material der Pflicht. Man versuche nur objektiv, dieses Hineinstellen in eine göttlichmoralische Weltordnung bei Fichte zusammenzuhalten mit dem Chemismus, der aus einer einheitlich verstandesmäßigen Weltanschauung hervorgegangen ist, wie etwa bei Descartes —- Cartesius —, man versuche zu erkennen, wie in diesem Johann Gottlieb Fichte lebte - ich möchte sagen - ein gewisser innerer Zusammenhang der Seele mit dem, was als Göttliches die Welt durchflutet und durchwirkt, wie er diesen Zusammenhang dann wiederum in den einzelnen Volksgeistern zu schauen versuchte. Aber so, dass ein Volksgeist erfassen kann diesen lebendigen Zusammenhang mit dem Allgeistigen im Ich, das konnte Fichte nur dem deutschen Volksgeist zuschreiben. Und so wurde es bei Fichte ganz bewusst, dass der deutsche Volksgeist im Zusammenhang mit der Menschheitsentwicklung dazu berufen wäre, lebendiges Erkennen an die Stelle des mechanistischen, toten Erkennens zu bringen.
Cite:
GA 70b/1916-02-19/p045 · edition original