10. Das Weltbild des deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit

GA 70b/1916-02-19/p054 ·1916-02-19 · original (original)
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Und der Dritte, das ist der vielverkannte, der aber doch in der Gegenwart wiederum von einigen verehrte Hegel. Hat Fichte versucht, in dem Willen, der alles durchdringen kann, [hat er versucht] in dem Ich aufzuleben, hat Schelling - ich möchte sagen - in dem Weltgemüte, das im Ich auflebt und alles durchgeistigt und durchseelt, ein idealistisches Weltbild zu schaffen versucht, so versucht Hegel aus dem reinen Begriffe heraus, aus der Idee heraus ein Weltenbild zu schaffen. Und gerade bei Hegel liegt es nahe, weil er ein Weltbild in Begriffen, in Ideen fassen wollte, dieses Hegel’sche Weltenbild zu vergleichen mit dem mechanistischen, mit dem verstandesmäßigen des Cartesius, des Descartes: Dort ist alles verstandesmäßig! Was wollte aber Hegel? Hegel wollte den Begriff, die Idee nicht so haben, dass sein Weltbild gleichsam nur ein Instrument sei, um eine äußere Wirklichkeit zu erkennen. Hegel wollte diese Welt so haben, dass die Menschenseele ihrerseits die Begriffe selbst erlebt, dass sie sich hineinlebt mit ihrem Ich in die eisigen Gebiete, aber darum auch das Erlebnis bildet des reinen Begriffes. Denn Hegel hatte das innere Erlebnis - man darf es inneres Erlebnis nennen -, dass der Mensch, wenn er die Ideen der Welt in ihrer Reinheit erfasst, dass er dann teilhaben darf mit dem Innersten seines Ichwesens an dem, was als göttlicher Gedanke selber schaffend aller Welt zugrunde liegt, teilnehmen an dem Gedankenwerk der Gottheit, weil ja ein Gedanke in der Seele gewissermaßen nur eine ideelle Repräsentation desjenigen ist, was als Gottesgedanke die Welt durchflutet - das wollte Hegel.

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