10. Das Weltbild des deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit

GA 70b/1916-02-19/p057 ·1916-02-19 · original (original)
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Blicken wir hinüber nach Asien. Asien bewahrt ja in seinem Weltenbild, insbesondere in Indien bewahrt es noch - ich möchte sagen - ein uraltes Weltenbild, wo der Mensch versucht hat, auch zu dem zu kommen - aus dem Inneren seines Wesens zu dem zu kommen -, was als Göttlich-Geistiges die Welt durchflutet, durchwirkt und durchlebt. Aber wodurch versucht das der Asiate und der Nachzügler dieses alten Asiaten, der heutige Inder - wodurch versuchen sie das göttlich-geistige Wirken und Fluten in der Welt im eigenen Seelenwesen gegenwärtig zu machen? Dadurch, dass sie herabdämpfen, herablähmen das Seelische, herablähmen das Ich; das Ich muss ausgelöscht werden, dann kann der Mensch sich hingeben dem allgemeinen Fluten des Brahman. - Das ist das alte Streben nach dem Weltenbilde - ich möchte sagen -, das urarische Streben nach einem Weltenbilde. Charakteristisch dafür ist, dass das Ich herabgestimmt, herabgelähmt wird bis zum Auslöschen, damit dasjenige, was der Mensch in seinem Ich erlebt, sich ihm nicht in den Weg stellt, wenn er aufleben lassen will in seiner Seele dasjenige, was göttlich-geistig die Welt durchflutet und durchseelt. Sich auslöschen - damit das Göttliche in ihm wirkt, das ist das Ideal dieses panasiatischen Weltenbildes.

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