10. Das Weltbild des deutschen Idealismus. Eine Betrachtung im Hinblick auf unsere schicksaltragende Zeit

GA 70b/1916-02-19/p092 ·1916-02-19 · original (original)
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Und wenn man uns fragt, womit wir anstelle des an uns Gerissenen und Zerstörten die Menschheit beglücken wollen, welche geistige und Kulturverjüngung wir in die Weltentwicklung bringen wollen, dann müssen wir entweder schweigen oder sinnlose Phrasen schwätzen. Und wenn das bittere Geständnis Danilewskis gerecht ist, dass Russland krank zu werden beginnt, dann müssten wir uns, statt mit der Frage «Warum liebt uns Europa nicht, vielmehr mit einer anderen beschäftigen, einer uns näher liegenden und uns wichtigeren Frage: ‹Warum und weshalb sind wir krank?› Physisch ist Russland noch ziemlich stark, wie es sich in dem letzten russischen Kriege gezeigt hat; also ist unser Leiden ein sittliches. Auf uns lasten, dem Worte eines alten Schriftstellers gemäß, die im Volkscharakter verborgenen und uns nicht zum Bewusstsein kommenden Sünden - und so ist es vor allem nötig, diese in das Licht des hellen Bewusstseins heraufzubringen. Solange wir geistig gebunden und paralysiert sind, müssen uns alle unsere elementarischen Instinkte nur zum Schaden gereichen. Die wesentliche, ja die einzig wesentliche Frage des wahren Patriotismus ist nicht die Frage über die Kraft und über die Berufung, sondern über die Sünden Russlands.»

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