11. Zur deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb derselben
Man darf ja sagen, sehr verehrte Anwesende, indem man dabei ganz sachlich bleibt: Nichts steht so einem andern, könnte man bemerken, gegenüber, wie dieses Fichte’sche Weltbild etwa, sagen wir, gegenübersteht dem aus französisch-romanischem Geist heraus geborenen Weltenbild, wie es etwa einer der größten französischen Philosophen, Cartesius oder Descartes, im Anfange des siebzehnten Jahrhunderts wie eine Verkörperung des französischen Geistes selbst - eine philosophische Verkörperung - hingezeichnet hat. Descartes, der Franzose, der Franzose, der so recht - wie Fichte aus deutschem so - aus französischem Volkstum herausschöpft und schafft, Descartes geht aus davon, wie der Mensch sich fremd fühlt der äußeren Welt gegenüber, wie der Mensch ausgehen müsse in seiner Seele von dem Zweifel. Zweifel in dem Sinne, wie Descartes es meint, kann es für Fichte nicht geben; denn sein Erkennen ist ein unmittelbares Miterleben desjenigen, was durch die Welt webt und west. Fichte stellt sich nicht außerhalb des Geistes der Welt, indem er erkennt, sondern innerlich sucht er sich mit dem Geist zu einen.
Cite:
GA 70b/1916-02-21/p020 · edition original