11. Zur deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb derselben

GA 70b/1916-02-21/p048 ·1916-02-21 · original (original)
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Wirkt bei Johann Gottlieb Fichte der Wille, der die Seele durchpulst und in der Pflicht sich den Ausdruck schafft; wirkt auf Schelling das Gemüt, das Innerlichste des Seelenwesens, während [es] ein Naturwille erfasst und wiedergebiert; so wirkt bei Hegel das Gedankenleben - das Gedankenleben, das von Hegel so empfunden wird, dass, indem die Gedanken, die er durch seine Seele ziehen lässt, von dieser Seele bewegt und erlebt werden, unmittelbar erscheinen wie Gedanken des göttlich-geistigen Weltenlebens selber, das alle Räume und alle Zeiten durchsetzt. Sodass der Mensch - indem er sinnlichkeitsfrei, ohne von der Außenwelt beeinflusst zu sein, seine Gedanken in sich leben lässt - in diesem Gedankenerleben zu gleicher Zeit miterlebend hat in ihm sich auslebend und offenbarend das göttlich-geistige Denken der Welt. Allerdings ist dadurch Hegel ein Geist geworden, welcher ein Weltenbild geschaffen hat, als ob die ganze Welt nur aus Logik gebaut wäre - was eine Einseitigkeit ist. Aber er hat hinzuzufügen zu dem andern, was Fichte und Schelling geboten haben, den dritten Ton aus dem deutschen Volkstum heraus.

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