11. Zur deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb derselben
Man braucht heute nicht, sehr verehrte Anwesende, sich irgendwie dogmatisch auf den Standpunkt der genannten drei zu stellen. Darüber kann man heute hinaus sein; ein Bekenner oder ein Gegner zu sein, kann vielleicht inhaltlich alles dasjenige als einseitig betrachten, was diese Geister ausgesprochen haben. Man braucht sich nicht dogmatisch dazuzustellen; man kann sie betrachten als Ausläufer für dasjenige, was im deutschen Volkstum webt und lebt. Also etwas, was wie ein Blütenstrom deutschen Geisteslebens herausgekommen ist, was sich im Laufe der Zeiten, indem es weiter blüht und weiter fruchtet, gewiss vielfach verändern wird, was aber die tiefsten, die bedeutsamsten Anregungen demjenigen geben kann, der nach einer geistigen Welterkenntnis strebt, weil eine geistige Weltenerkenntnis aus solchem Keim innerhalb des deutschen Geisteslebens hervorgehen muss, wie sie angestrebt wurde von Fichte, Schelling, Hegel, im Grunde gerade aus Goethe’schem Geiste heraus [erwachsen] ist.
Cite:
GA 70b/1916-02-21/p051 · edition original