11. Zur deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb derselben

GA 70b/1916-02-21/p053 ·1916-02-21 · original (original)
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So hat es Goethe gemacht. Daher spricht Goethe in Anknüpfung an Kant, von einer anschauenden Urteilskraft, die er sich zuschrieb. Und wahrhaftig, aus dieser anschauenden Urteilskraft gingen die Blüten der Goethe’schen Leistungen hervor. «Anschauende Urteilskraft» - was meint Goethe? Die gewöhnliche Urteilskraft, sie lebt in den Begriffen des Menschen. Mit dieser Urteilskraft steht der Mensch den Dingen gegenüber, steht er der Natur gegenüber; das schaut er mit den Sinnen an; mit dem Verstande urteilt er über das sinnlich Angeschaute. Goethe sagt sich: Wenn man durch die Urteilskraft selber anschauen kann das Geistige, so wie die Augen das Sinnliche anschauen, dann lebt man und webt man im Geistigen. - Und so wollte Goethe Pflanze und Tier, so wollte er das Menschenleben betrachten. Und so hat er es betrachtet! Und so wollte er sich sogar auf dem Gebiet der Physik betätigen.

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