11. Zur deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb derselben
Interessant ist es zu sehen, wie Troxler bestrebt ist, dasjenige, was zu einem Weltenbilde aus den Seelenkräften heraufführen soll, wie das aus dem, was der Mensch kennt, sich offenbart, wie es aber hinter dem eigentlich steht, was der Mensch im gewöhnlichen Alltagsleben zur Aufrechterhaltung, zur Orientierung seines Lebens hat. Da hat der Mensch nach der Anschauung Troxlers den Glauben - den Glauben, der auf dem Gebiet der religiösen Anschauung die höchsten Geistesstützen der Menschheit trägt, der aber auch im übrigen Menschenleben eine große Rolle spielt: den Glauben. Diesen Glauben hat der Mensch - ich spreche jetzt nicht bloß Worte Troxlers nach, sondern ich spreche so, wie man etwa denken muss, wenn man das, was Troxler gesprochen hat, in sich aufnimmt, es ein wenig weiterwebt -, diesen Glauben hat der Mensch in seinem Seelenleben. Diese Glaubenskraft ist etwas, was das äußere Leibliche haben muss, etwas, was so, wie es unmittelbar in der Seele auftritt, von der Seele erfasst werden kann, auch ohne dass höhere Erkenntniskräfte entwickelt werden. Aber hinter diesem Glauben lebt, verborgen in der Seele, [ein höheres Erkenntnisorgan, sodass der Glaube gleichsam für das gewöhnliche Tagesleben ist das Ausleben dieses höheren Erkenntnisorgans. Was hinter dem Glauben lebt, nennt Troxler]: das seelische Hören, das übersinnliche, das seelische Hören. Sodass man sich in Troxlers Sinn den Glauben gleichsam vorzustellen hat als das Schöne, das hereinflutet aus einem unbewusst oder unterbewusst Geistigen der Seele, das den Glauben an die Oberfläche treibe. Wenn es aber selber entwickelt wird, so wird es zu einem Geistesohr, das in der geistigen Welt zum Hören würde. Geistig Hören heißt, so wahrnehmen, wie das sinnliche Ohr die äußeren, in der Luft lebenden Töne wahrnimmt.
Cite:
GA 70b/1916-02-21/p068 · edition original