11. Zur deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb derselben
Dies anzuerkennen, ist ja jahrelang selbst - ich möchte sagen — in äußerlichen Umrissen denjenigen nicht gegeben, die jetzt wie in einem feindlichen Ring diejenigen umgeben, [die jetzt] auf 6 Millionen Quadratkilometern gegen 68 Millionen Quadratkilometer [leben], innerhalb derer sich das entwickelt, was eigentlich deutsches, deutsches Volkstum ist. Wie billig sind oftmals die Scherze, die hassgetränkt und wirklich verleumderisch von überallher gehört werden können, gegenüber dem deutschen Geistesleben, das gehasst und verleumdet wird, dem gegenüber man sich nicht bewusst ist, welche Stellung es in der Welt einnehmen muss vermöge seiner ureigenen Kraft. Man braucht nur an solche zu erinnern, wie Emile Boutroux nicht lange vor dem Krieg noch in Deutschland herumzog und Vorträge hielt über die Schönheit des deutschen Geisteslebens, über die Verbrüderung des deutschen mit dem lateinischen Geistesleben - und jetzt bringt er immer wieder und wiederum seinen Franzosen vor, sodass sie immer wieder und wieder hören können, dass dieser deutsche Geist abgeneigt wäre, auf die Dinge der Welt hinzuschauen; dieser deutsche Geist bildet sich ein, alles in seinem eigenen Inneren zu tragen, und die ganze Welt aus seinem eigenen Innern heraus gebären zu können.
Cite:
GA 70b/1916-02-21/p099 · edition original