11. Zur deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb derselben
Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn man nun versucht, andere Stimmen zu hören, zum Beispiel östliche Stimmen, da wird die Sache erst recht deutlich. Da muss man sagen: Im Osten Europas, auf russischem Boden — nicht nur trotz des großen Philosophen Solowjow, sondern gerade wegen der eigentümlichen Art des großen Philosophen Solowjow kann man das sagen -, im Osten Europas kann heute noch gar nicht ein Verständnis sein für dieses eigentümliche Verhältnis der Menschenseele zu dem die Welt durchdringenden Geistigen und wesenhaften Lebendigen; sondern da drüben ist alles so, dass kein Verständnis noch vorhanden ist für das Erleben des die Welt durchpulsenden und durchwebenden Geistes im eigenen inneren Seelenwesen, dass man alles entgegengetragen haben will, dass alles entgegenkommen soll, dass alles nur eine Offenbarung, allerdings eine Geistoffenbarung von außen sein soll. So stellten sich selbst die größten russischen Philosophen des neunzehnten und des Beginnes des zwanzigsten Jahrhunderts ganz ablchnend gegenüber dem eigentlichen Wesen Mitteleuropas, übrigens auch sogar Westeuropas.
Cite:
GA 70b/1916-02-21/p104 · edition original