11. Zur deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb derselben
Und das ist ja gerade dasjenige, was aus aller Wissenschaft, aus allem Erkennen, das der Deutsche anstrebt, sich erhebt: dieses Hintragen auch desjenigen, was man wissen kann, wie zum Altar einer vergöttlichten Weltanschauung selber. Nicht Religion will Geisteswissenschaft sein, nicht ersetzen will sie diese; sie will sich als wahre Wissenschaft neben Religion hinstellen - sie will die Religion nicht im Mindesten beeinträchtigen, will sie gelten lassen -, wie eine Strömung, die sich hinstellt als wahre Wissenschaft, die auch die Religion nur stützen, nicht irgendwie ersetzen will. Aber dasjenige, was Geisteswissenschaft leisten kann, es wird zu gleicher Zeit dargebracht - um den Böhme’schen Ausdruck zu gebrauchen -, um Gotttrunkenheit, das heißt: das Erleben des Geistigen der Welt im eigenen Seelensein, zu erfahren.
Cite:
GA 70b/1916-02-21/p129 · edition original