{"corpus":"steiner","locus":"GA 70b/1916-02-21/p135","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Engländer, man möchte den Engländern wirklich auch nicht unrecht tun. Aber wenn man so hört, wie einer der tonangebenden gegenwärtigen englischen Politiker zu den Deutschen es hinübertönen lässt, herüber über den Kanal, dass bei ihnen «Macht vor Recht» gehe, und dass das ein deutscher Grundsatz wäre - dann muss man denn doch betonen: Der Grundsatz «Macht geht vor Recht» als ein wirklich berechtigter findet [sich] bei dem englischen Schriftsteller Thomas Hobbes, [dort] wird das zuerst angeführt. Es ist ein spezifisch englisches Produkt, der Satz «Macht geht vor Recht», und alles Recht wurzelt in der Macht. Und so könnte man viele Sachen finden; man möchte, wie gesagt, nicht unrecht tun, aber ich muss den Satz aussprechen: All diese Völker, sie brauchen etwas, um sich selber zu betäuben darüber, was sie eigentlich vor der Weltgeschichte tun, um das zu betäuben, wie sie handeln, sie brauchen etwas wie einen Nebel, der sich darüber hüllt über die Wahrheit. England braucht eine neue Lüge — das kann, ohne irgendwie unsachlich zu werden, aus den Tatsachen selber heraus gesagt werden. Und Italien? Ja, ein nicht unbedeutender Politiker Italiens hat mich vor dem Kriege - denn es gab Gemüter, die nicht so naiv waren, dass sie vor dem Krieg geglaubt hätten, dass sich Italien jemals für die mitteleuropäischen Mächte einsetzen werde, und so fiel es mir nicht besonders auf -, als ein nicht unbedeutender italienischer Politiker mir sagte: Wir müssen in Italien einen Krieg haben, denn unser Volk ist impotent und faul und lässig geworden; da kann höchstens wiederum Kraft hineinkommen, wenn es Krieg führen kann. Wir brauchen den Krieg also eine neue Sensation, ein neues Leidenschaftserzittern der Volksseele, daher wird Europa beunruhigt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"11. Zur deutschen Gedankenentwicklung. Ein vergessenes Streben nach Geisteswissenschaft innerhalb derselben","site_heading":null,"date":"1916-02-21","location":null,"word_count":277,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-02-21/p135","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/70b/1916-02-21/p135"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/70b/1916-02-21/p135","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}