15. Wie Werden Die Ewigen Kräfte Der Menschenseele Erforscht?
Dasjenige, was sonst das Ruhen des Denkens in dem Vorstellen ist, das kann unter dem Einfluss solcher Übungen zunächst aufhören, wenn das Ziel erreicht werden soll, und muss eigentlich für gewisse Erfahrungen aufhören, wenn das Ziel erreicht werden soll. Man kommt in ein innerliches Erleben, in ein innerliches Sich-Bewegen hinein. Man fühlt sich nicht äußerlich jetzt - nur der Vergleich knüpft an Äußerliches an -, man fühlt sich wie seelisch im Finstern überall umhertastend; man fühlt sich ganz aufgehend in der inneren Vorstellungs- und Denktätigkeit, die man ergriffen hat. Durch inneres Erleben macht man jetzt eine gewisse Erfahrung; und die besteht darinnen, dass man sich sagt: Also, du hast es jetzt erreicht, dass du nur in der Denktätigkeit, in der Vorstellungstätigkeit lebst. Man macht zunächst die Erfahrung, dass mit Bezug auf diese innerlichen Erlebnisse in der Denktätigkeit, in der Vorstellungstätigkeit dasjenige nicht mehr da ist, was sonst Erinnerungskraft, was sonst Gedächtnis ist. Das ist nicht mehr da. Man merkt, dass man in eine ganze andere innere Strömung hineingekommen ist, dass man dasjenige, was man jetzt erlebt als Denktätigkeit, dass man das nicht so erlebt, als wenn man sich an irgendetwas erinnert oder wenn man sonst mit Anlehnung an äußere Gegenstände oder Tatsachen denkt; sondern man merkt, dass man jetzt Denktätigkeit entwickelt, so wie man entwickelt Willenstätigkeit, ich will sagen, aus der Gewohnheit heraus — nicht ein Denken, sondern ein innerliches Sichbetätigen aus einer gewissen feinen Gewohnheit heraus, das ist dasjenige, was man jetzt innerlich erlebt. Und nur einen Wert, eine Bedeutung hat dieses innerliche Erleben in dem Augenblicke - eine Bedeutung [hat] dieses Erleben der inneren Tätigkeit in dem Augenblicke, wo man es erlebt. Es ist zwar auch ein grober Vergleich, aber ich kann doch den Vergleich gebrauchen: Das, was man so erlebt, indem man jetzt von den Gedanken getrennt hat die innere Denktätigkeit, das gehört so dem augenblicklichen Erleben an, ja, wie das Essen und Trinken. Es ist ein grober Vergleich, aber es ist ein Vergleich, der alles veranschaulicht, was ich sagen will. Nicht wahr, wir können nicht, wenn wir gestern gegessen haben, das gestrige Essen oder gestrige Trinken heute wiederum zur Ernährung des Körpers verwenden, sondern wir müssen heute wiederum essen und trinken. Essen und Trinken haben nur diese augenblickliche, diese gegenwärtige Bedeutung. Wir können nicht sagen: Wir essen heute; und morgen, wenn wir diese Tätigkeit ausüben, wodurch wir uns [...] erinnern an unser heutiges Essen und Trinken, dadurch auch uns ernähren. Das ist eine Tätigkeit - das Essen und Trinken -, das immer wiederholt werden muss.
Cite:
GA 70b/1916-03-14/p033 · edition original