15. Wie werden die ewigen Kräfte der Menschenseele erforscht?
Und da ergeben sich nunmehr für den Geistesforscher Möglichkeiten, von einer Gliederung des Menschen zu sprechen, gerade so, wie er das eben tut. Sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, wenn so der Geistesforscher zunächst kommt und sagt: Dieser Mensch, der ist nicht bloß aus dem physischen Leib bestehend, den Augen sehen können, den die gewöhnliche Wissenschaft beschreibt, erklärt - alles dasjenige, was die gewöhnliche Wissenschaft zu sagen hat, wird ihr ohne Weiteres von der Geistesforschung zugegeben -, wenn also der Geistesforscher sagt: Dieser Mensch trägt auch noch einen ätherischen Leib an sich - auf den Ausdruck kommt es nicht an, man könnte ihn auch anders nennen, man braucht sich nicht zu stoßen an diesem Ausdruck «ätherischer Leib», ätherisch ist ja ganz anders gemeint als der gewöhnliche Äther in der Physik -, wenn einfach dies angeführt wird wie ein Beispiel - wenn man sagt: Da lebt eben ein feinerer Leib in dem gröberen Leib drinnen und man dadurch die Vorstellung erweckt: Nun, der gröbere Leib ist eben grob, und da lebt ein etwas feinerer Leib drinnen, dem ist ein feinerer ätherischer Leib also eingewoben, und dieser feinere, eingewobene, das ist eben der ätherische Leib -, so hat man allerdings auch etwas wovon man vielleicht sagen könnte: Das ist Unsinn. Aber auf diesem Standpunkte steht der Geistesforscher nicht; der Geistesforscher steht auf dem Standpunkte, dass eben das Vorstellen, das Denken in verschiedener Weise umgewandelt werden kann, dass das Denken so wird, dass die Kraft der Erinnerung herausgewoben wird aus dem Denken; [dass] das Denken so entwickelt wird, [dass] das Vorstellen so wird, dass es nicht nur augenblicklich erlebt wird, wie sonst das grobe Essen und Trinken. Und indem man so lebt und webt in diesem Denken, das jetzt nicht zur Erinnerung führt unmittelbar, sondern das immer neu erzeugt werden muss, lebt man in etwas anderem als im physischen [Leibe]; man lebt im ätherischen Leibe. Da wird auf den Ätherleib als auf ein Erlebnis hingewiesen. Da wird hingezeigt darauf, was er ist. Und geisteswissenschaftliche Wahrheiten findet man nicht so, dass man einfach physische Tatsachen in feinerer Ausgestaltung zeigte, wie es der Spiritismus tun will - diesem Korrumpieren einer wahren Geisteswissenschaft -, sondern indem man dasjenige, was geistige Welt ist, in inneren Erlebnissen aufzeigt, die aber auch innerlich erlebt sein wollen.
Cite:
GA 70b/1916-03-14/p058 · edition original