16. Zur Deutschen Gedankenentwicklung. Ein Vergessenes Streben Nach Geisteswissenschaft Innerhalb Derselben
Nun ist es bei Fichte so, als ob von einer besonderen Seelenseite aus sich etwas zeigt, das in ihm Wurzel gefasst hätte von einer Seelenkraft aus, die bei ihm besonders stark entwickelt war, von jener Seelenkraft aus, die vielleicht sich so bezeichnen lässt, dass man sagt: Er empfand von den drei Kräften der Menschenseele - vom Denken, Fühlen und Wollen - vor allen Dingen das Wollen. Und er empfand selber das Ich so, dass das Wesentlichste des Ich-Erlebnisses das ist, dass der Mensch doch darauf kommen kann, sich zu sagen: Das Ich besteht eigentlich darinnen, dass man es wollen kann, und immer von Neuem wollen kann; und ihm seine Ewigkeit dadurch verbürgt wird, dass man fühlt in sich die Berechtigung, es immer von Neuem zu wollen; und dass in dieses Wollen eindringt dasjenige, was man im allertiefsten Sinne als Lebens- und Weltenverpflichtung fühlt; dass man in der Lebens- und Weltenverpflichtung zugleich etwas erfühlen kann, was hereinschlägt aus göttlich-geistigen Weiten in das eigene Wesen. Sodass man sagen kann: Das Höchste, das man erleben kann, ist die für die eigene Seele sich an dem Weltenganzen offenbarende Pflicht, die hereinschlägt in das eigene Wesen, und die einem die Gewissheit gibt, weil man einverwoben hat in das, was als pflichttragender Wille durch die Welt geht, als ewig pflichttragender Wille, man selber als ewiges Wesen in dieser Welt drinnensteht.
Cite:
GA 70b/1916-03-17/p012 · edition original