16. Zur Deutschen Gedankenentwicklung. Ein Vergessenes Streben Nach Geisteswissenschaft Innerhalb Derselben
Warum wirkt Schelling so? Kann man bei Fichte sagen, dass dasjenige, was er der Welt sagte, im Willen lebte - bei Schelling lebt alles aus dem Gemüte heraus, aus jenem Gemüte, für das ja nur die deutsche Sprache ein Wort hat, aus jenem Gemüt, das in Liebe überzeugen will, auch wenn es erkennt, das in Liebe untertauchen will in die zu erreichenden Dinge. So fließt für Schelling zusammen dasjenige, was Naturdasein ist, in das er sich mit Liebe so vertiefen will, dass ihm diese ganze Natur wird wie das äußere Antlitz seines verborgenen Geisteslebens, Geist in der Natur. So weit ging er, dass er das einseitige Wort aussprechen konnte, Schelling: «Die Natur erkennen heißt, die Natur schaffen.» Gewiss ein einseitiges, in dieser Einseitigkeit ganz unwahres Wort; aber es weist uns gerade auf das Wesentliche bei ihm, Schelling, auf dieses Schaffen und Weben des Geistes, der hinter der Natur lebt, und in dem sich der Menschengeist selber erfassen will, um sich eins zu wissen mit allem Natur- und mit allem Geist-Dasein.
Cite:
GA 70b/1916-03-17/p027 · edition original