16. Zur Deutschen Gedankenentwicklung. Ein Vergessenes Streben Nach Geisteswissenschaft Innerhalb Derselben

GA 70b/1916-03-17/p066 ·1916-03-17 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

> «Ich empfinde Gemeinsames mit einem Goethe, Hegel, Schleiermacher, Leibniz, die unter sich doch verschieden genug sind, während mich die französischen Philosophen, Schönredner oder Mathematiker trotz ihrer großen Eigenschaften kaltlassen, weil sie die Summe allgemeinen Lebens nicht in sich tragen, nicht die ganze Wirklichkeit beherrschen, mich knebeln oder misstrauisch machen. Was den Franzosen fehlt, ist unmittelbare Erkenntnis der lebendigen Einheit, Sinn für das Heilige, Gefühl für die Geheimnisse des Seins; was ihnen eignet ist die Begründung von Spezialwissenschaften, die Kunst, ein Buch zu machen, es ist Stil, Höflichkeit, Grazie, Geist der Ordnung, lehrhafte Kunst, Disziplin, Eleganz, Wahrheit im Einzelnen, Inszenierung, Bekehrungseifer, Stärke in praktischen Schlussfolgerungen. Aber für den Weg durch Inferno und Paradies bedarf man anderer Führer; sie haften auf der Erde, in der Region des Endlichen, Wechselnden, Historischen, Begrenzten. Mechanismus und Dualismus sind die Gipfelpunkte ihres Gedankenfluges. Um aus diesem Kreis heraustreten zu können, müssen sie sich Gewalt antun.»

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/70b/1916-03-17/p066.json
Cite: GA 70b/1916-03-17/p066 · edition original