16. Zur Deutschen Gedankenentwicklung. Ein Vergessenes Streben Nach Geisteswissenschaft Innerhalb Derselben
Man muss es dann schon ertragen können, dass man in voller Einsicht für dasjenige, was einmal kommen muss, was einmal erkannt werden muss, dass man, wenn man es vorher vertritt, wie ein Narr angesehen wird. Aber, wie gesagt, nicht bloß auf den geistigen Höhen, sondern vielfach im deutschen Wesen lebt das eben charakterisierte Streben. Hunderte und Hunderte von Fällen könnte ich Ihnen anführen dafür; einer für viele sei angeführt, weil wir ja nicht Zeit haben, vieles anzuführen. Einer für viele sei angeführt: Da möchte ich hinweisen auf ein kleines, 1856 erschienenes Büchelchen von einem einfachen Pfarrer Rocholl in Sachsenberg im Fürstentum Waldeck - ein kleines Büchelchen. 1856 ist es erschienen, und nennt sich «Beiträge zur Geschichte einer deutschen Theosophie». Man mag heute vieles phantastisch finden, was in diesem Büchelchen steht; man mag sogar in vielem recht haben, was man sagen will, wenn man das Büchelchen phantastisch nennt. Aber dieses 1856 erschienene Büchelchen zeigt den Pfarrer Rocholl drinnenstehend in einem wachen, wahren Geistesstreben, das wenigstens will in die Welterscheinungen eindringen mit «übergeistigem Sinn», mit «übersinnlichem Geist». Und in weiten Umblicken geistiger Art wird zu charakterisieren versucht, wie Naturleben und Geistesleben, sinnliches Leben eines sind, und wie göttlich-geistige Kräfte weben und wirken, und wie der Mensch die Möglichkeit hat, zu ihnen emporzudringen.
Cite:
GA 70b/1916-03-17/p096 · edition original