16. Zur Deutschen Gedankenentwicklung. Ein Vergessenes Streben Nach Geisteswissenschaft Innerhalb Derselben
Und diese Anschauung, wir finden sie in einer gewissen Abänderung auch, wenn wir hinüberblicken nach dem Osten. Und da finden wir, wie sich durch das ganze neunzehnte Jahrhundert entwickelt, man kann sagen aus dem einfachen russischen Volke heraus, das zu ganz anderem veranlagt ist - Sie können das Genauere in meinem Büchelchen «Gedanken während der Zeit des Krieges» nachlesen, das bald wiederum zu haben sein wird, augenblicklich ist es vergriffen - da finden wir, wie sich aus diesem russischen Volke heraus entwickelt eine russische Intelligenz - aber man könnte auch die Entwicklung auf anderen Gebieten verfolgen -, die hinaufwächst zu ganz, ganz merkwürdigen Anschauungen. Man müsste vieles von dem wiederholen, was in meinem Büchelchen «Gedanken während der Zeit des Krieges» steht - und man müsste vieles zu dem hinzufügen, wenn man nur einigermaßen charakterisieren wollte jenen Zug, der durch das russische Geistesleben, das Geistesleben der Intelligenz geht, der aus dem Glauben schöpft, dass Mitteleuropa namentlich, aber auch Westeuropa, im Grunde genommen eine altgewordene, greisenhafte Kultur habe, und dass diese ersetzt werden müsse durch die Kultur des Ostens, dass diese Kultur des Ostens jung und frisch ist und hereingetragen werden müsse nach Europa, weil innerhalb Europas alles greisenhaft geworden sei.
Cite:
GA 70b/1916-03-17/p120 · edition original