17. Gesundes Seelenleben und Geistesforschung
Mit wahrer Naturwissenschaft zum Beispiel, auch mit wahrer Psychiatrie wird Geisteswissenschaft voll einverstanden sein können. Ohne Weiteres wird der Geistesforscher dem Psychiater zugeben, dass es zum Beispiel eine gewisse krankhafte mystische Veranlagung gibt, und dass einfach durch irgendeine Beschaffenheit des menschlichen Leibes der Mensch einen gewissen Trieb des inneren Grübelns zeigt; dass er denn darauf kommt, in einem gewissen chaotischen inneren Gefühlsleben die Lösung großer Welträtsel finden zu wollen. Dass solche Triebe mit dem Leibesleben zusammenhängen, das wird der Psychiater heute behaupten müssen. Darinnen wird der Geistesforscher mit ihm vollständig einverstanden sein! Und er kann es ja aus dem Grunde, weil dasjenige, was er entwickeln muss als seelisch-geistiges Wesen, um in die geistige Welt einzutreten, das muss gerade unabhängig gemacht werden von dem Leiblichen, muss also auch unabhängig bleiben von einem etwa krankhaften Leiblichen.
Cite:
GA 70b/1916-03-19/p068 · edition original