Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte
Als das dritte Gebiet ist das Ihnen wohl bekannte, das, was aus dem künstlerischen Schaffen fließt, dasjenige Gebiet, das wir gerade deshalb so hochschätzen wie eine Kundgebung aus der anderen Welt, weil wir wissen, dass der Mensch, wenn er sich abstrakten Begriffen, abstrakten Vorstellungen hingibt, sein künstlerisches Schaffen und auch das künstlerische Genießen geradezu stört. Ein Unbestimmtes fließt herein, sowohl in das Schaffen wie in das Genießen beim Künstlertum. Und für viele, die sonst mit dem Geistigen nicht zurechtkommen, wird immerhin die Art, wie das Schaffen beim Künstler auftritt, etwas sein, was ihnen die Überzeugung beibringt, dass in das menschliche Leben ein Geistiges hineinragt. Denn es wird schon ein ganz verstockter, materialistischer Sinn dazu gehören, dass man wie Ingersoll, der berühmte Materialist, den Ausspruch tut: Hamlet, Shakespeares Hamlet, der ist eigentlich das Produkt des Stoffwechsels in Shakespeare. - Dieser Ausspruch ist ja bekannt. Aber man wird wirklich nicht viel brauchen, um sich sagen zu können: Dasjenige, was durch das Künstlertum in das menschliche Leben hineinragt, ist ein solches, dass weder aus dem Leibe heraus unmittelbar erklärt werden kann, noch auch, weil es gerade dadurch gestört wird, aus dem gewöhnlichen Bewusstsein heraus hergeleitet werden könne.
Cite:
GA 71b/1918-02-12/p032 · edition original