Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte
Das klingt zunächst paradox! Da muss vor allen Dingen eines gesagt werden: Ein durchgreifendes Moment in allem Leben in der physischen Welt ist das, dass man gewissen Ereignissen des Lebens gegenübertritt, dass man sie durchlebt, sie in die Seele aufnimmt und dass man sich im wachenden Bewusstsein später an die Ereignisse erinnert. Die Ereignisse können aus dem Vorstellungsleben, aus dem Gedächtnis wieder herausgeholt werden. Das Sonderbare ist nun dieses, dass, wenn die Seele, die das schauende Bewusstsein in sich entwickelt hat, in die Lage kommt, eine geistige Tatsache, eine geistige Wesenheit zu schauen, sie zu beobachten, so kann er, trotzdem das nur gewöhnlich aufgefasst wird als inneres Seelenerlebnis, dann kann er nicht sich ohne Weiteres an dieses Seelenerlebnis erinnern. Es geht vorüber. Das erzeugt keine Erinnerungen in dem gewöhnlichen Sinne.
Cite:
GA 71b/1918-02-12/p039 · edition original