Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte
Nun besteht das wirkliche volle Menschenleben darin, dass der Geist beim Menschen, auch der eigene Geist nicht eingreift in das Leibliche, ohne dass dieses Eingreifen durch das Seelische, dasjenige, was ich gestern das wahre Seelische genannt habe, vermittelt wird. Das ist das Eigentümliche beim Somnambulismus, dass ein geistiges Wesen unmittelbar eingreift in das Leibliche. Die Seele wird ausgeschaltet. Der Somnambule wird dadurch zu einem leiblich-seelischen Automaten, und als ein solcher tritt er auf. Dadurch hat er dasjenige in sich ausgeschaltet, was zwar an den Leib gebunden ist zwischen Geburt und Tod, was aber mit den Kräften, die es aus dem Leibe herauszieht - die Vermittlung mit der wahren geistigen Welt, aus der der Mensch stammt, in der er wurzelt mit dem eigenen ewigen Wesen, diese Verbindung hat der Mensch unterbrochen, wenn er somnambul wird, und er hat nur eine geistige Verbindung mit dem, was als Geistiges vorhanden ist in der gewöhnlichen physischen Welt; diese ist ja auch vom Geiste gelenkt. Der Mensch ist zwar ein geistig-seelischer, aber doch ein Automat. Das Geistige, das in ihm zum Vorschein kommen kann, ist ein beschränktes Geistiges, ist vor allen Dingen nicht das Geistige, in dem der Mensch seinem eigenen Wesen nach wurzelt. Es bleibt das eigene ewige Wesen, trotzdem es sich betätigt an dem somnambulen Leib, völlig im Dämmerdunkel des Unbewussten, auch wenn der Somnambule sich betätigt. Die Folge davon ist, sehr verehrte Anwesende, dass der Somnambule nicht in ein seelisches Verhältnis treten kann zu einer geistigen Welt.
Cite:
GA 71b/1918-02-12/p061 · edition original