Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte
Ebenso, wie unser Wesen aus einer geistigen Welt heruntersteigt, so steigt herunter das ganze Weltenall aus dem Geiste. Wie bildet sich so etwas wie die Kant-Laplace’sche Theorie aus? Man hat gerechnet, wie sich die Erdenwesen verändern durch die Zeiten hindurch. So kann man berechnen, wie sie sich vor 1000, vor 2000, vor Millionen von Jahren gestaltet haben die Wesen der Erde. Da bekommt man eine errechnete Vorstellung, eine wirklich richtig errechnete Vorstellung, wie die Erde vor Jahrmillionen gestaltet war. Das ist so, wie wenn wir aus der Veränderung des Herzens, des Magens [er]rechneten, wie diese Veränderungen, [diese Organe] vor zwei, vor sechs, vor zehn Jahren waren, und dann einen Schluss ziehen, wie diese Veränderungen ein Zustand bewirkt hat vor 200 Jahren. Das ist genau ebenso wissenschaftlich wie die Kant-Laplace’sche Theorie. Oder die sogenannten geologischen Veränderungen der Erde kann man errechnen auf diese Weise. Man kann herausbekommen, wie der menschliche Leib nach den beobachteten Veränderungen war vor 300 Jahren, nur hat der [betreffende] Mensch da noch nicht gelebt. Denselben Fehler macht man, wenn man die Kant-Laplace’sche Theorie ausbildet, wenn man geologische Hypothesen aufstellt, die heute gang und gäbe sind. Man kommt zurück zu dem Zustand, der sich errechnen lässt - nur hat die Erde dazumal noch nicht bestanden, sondern sie ging viel später aus einem geistigen Zustande in den jetzigen Zustand hinein.
Cite:
GA 71b/1918-02-12/p083 · edition original