Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt
Gegenüber dieser Meinung Eduard von Hartmanns musste ich immer die geisteswissenschaftliche stellen, die darin besteht, dass eine solche hypothetische Feststellung, ein solches bloßes logisches Schließen auf ein Unbewusstes völlig wertlos ist; denn schließlich führt es doch zu nichts, als anzunehmen, dass das, was man so logisch erschließt, auch anders sein könne. Ich musste immer aus den Erlebnissen heraus, die ich mir vorgestern zu schildern hier erlaubte und auf deren Grundlage die heutige Betrachtung aufgebaut werden soll, ich musste immer aus diesen wirklich geistigen Erlebnissen der menschlichen Seele heraus daran festhalten, dass man nicht nur durch das logische Denken, durch das hypothetische Zergliedern der Welt zu dem Übersinnlichen kommen könne, sondern durch unmittelbares Erleben, indem man die in der Seele schlummernden Kräfte so lebendig überführt in Wahrnehmungsfähigkeiten, dass man nicht nur schließen kann auf das Unbewusste, sondern dass man es als solches so ergreifen kann, wie man das Sinnliche, das gewöhnliche Bewusste ergreift.
Cite:
GA 71b/1918-02-18/p007 · edition original