Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt
Wer das Traumleben verfolgt, wird finden, dass dem Traume fehlt dasjenige, was wir im gewöhnlichen bewussten Tagesleben den logischen Gang unserer Vorstellungen nennen. Der Traum schließt die Logik aus. Manchmal möchte man dieser Feststellung widersprechen; doch würde der Widerspruch vor einer genauen Beobachtung nicht bestehen können. Es kann ein Traum logisch verlaufen; dann aber ist der logische Verlauf nicht bewirkt durch die Anwendung der logischen Kraft in der Zeit des Träumens, sondern dann träumen wir irgendein Ereignis, welches in sich einmal von uns logisch verfolgt worden ist. Wir träumen die Logik mit, logisieren aber nicht. So entsteht der Schein, als ob man logisch träumen könne. Man kann das Logische als Reminiszenz träumen; aber man kann nicht das Logische als Kraft des Logisierens verwirklichen.
Cite:
GA 71b/1918-02-18/p021 · edition original