Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt
Das ist sehr wichtig. Wir erfahren im traumlosen Schlafe nichts von dem, was in unserer Umgebung vorgeht, durch unsere Sinne, erfahren auch nichts von demjenigen, was in unserem eigenen Leibe sich abspielt oder was sonst von diesem Leibe heraus in das Seelenleben einfließen will. Wir sind gewissermaßen zurückgezogen in das zunächst unbewusst bleibende Seelenleben im traumlosen Schlaf. Strömen ein die Traumbilder in diesen traumlosen Schlaf, so ändert sich dieses unser Verhältnis zur Umwelt nicht. Das ist wesentlich. Zwar kann man von Sinnesreiz-Träumen selber sprechen, aber das, was durch die Sinne auf uns wirkt, das wirkt nicht durch den Vorgang, der sich in den Sinnen abspielt, sondern das wirkt viel innerlicher auf das menschliche Seelenleben; es wirkt so, dass das Sinnliche schon symbolisiert, dass es schon in gewisser Weise seelisch umgestaltet ist. Wir treten nicht in der durch das verständige sinnliche Wahrnehmen kontrollierten Art durch den Traum in ein Verhältnis zu unserer Umwelt, und wir tun das auch nicht zu unserem eigenen Leib. In solcher Weise, wie wir die Zustände in unserem Leibe im Wachen erleben, so erleben wir sie nicht, wir erleben sie umgestaltet, in seelischer Formung, wir erleben sie symbolisiert oder dergleichen, und das ist das Wesentliche im Traumleben, dass es allerlei ins Bewusstsein hereinzaubert, dass aber der Mensch immer zu seiner Umwelt in ein ebenso abgeschlossenes Verhältnis kommt, trotz des Träumens, wie in dem traumlosen Schlaf.
Cite:
GA 71b/1918-02-18/p023 · edition original