Die Offenbarungen des Unbewussten im Seelenleben vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt
Da sehen wir, wie so etwas sich geltend macht wie die Kant-Laplace’sche Theorie. Ich habe das schon oft erwähnt und will sie heute nur anführen, weil sie in unser heutiges Gebiet hineinleuchtet. Der Mensch versucht, sei er Astronom oder Geologe, aus dem, was sich vor den Sinnen abspielt gegenwärtig, zu erraten aus einer Rechnung, was sich vor Jahrmillionen abgespielt hat. Man kann das, ohne einen geringsten Fehler zu machen gegen irgendwelche wissenschaftlichen Gesetze, man kann über einen Zustand der Erde rechnen, der nach Jahrmillionen eintritt. Man ist nur leider in dem folgenden Fall. Man rechne sich zum Beispiel aus aus der Vererbung, was der Magen des Menschen im Verlaufe von ein, zwei, sieben Jahren durchmacht, welche Veränderungen er in dreiBig Jahren durchmacht, man verfahre gerade so wie der Geologe oder Astronom, gerade so wie der Aufsteller der Kant-Laplace’schen Hypothese verfährt. Man kann rechnen nach derselben Methode wie nach den kleinen Veränderungen, die sich vollziehen in der Konstitution des Magens, wie der Magen gewesen sein muss vor 300 Jahren; nur hat er dazumal noch nicht gelebt. Ebenso kann man berechnen, wie dieser Magen sein wird nach 300 Jahren. Die Rechnung kann richtig sein, was herauskommt, ist ein Unhaltbares. Die Rechnung nach den Gesteinsveränderungen kann richtig sein und wissenschaftlich genau kann festgestellt sein, dass die Erde vor Jahrmillionen diesen oder jenen Zustand gehabt hat; nur hat zu jener Zeit die Erde noch nicht bestanden und wird in den Jahrmillionen, die man nach derselben Methode ausrechnen kann, nicht mehr bestehen, weil sie innere Lebensgesetze hat, durch die sie sich aus dem Geistigen heraus entwickelt hat und wiederum hineinentwickeln wird wie der Mensch.
Cite:
GA 71b/1918-02-18/p082 · edition original