Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft

GA 71b/1918-04-24/p006 ·1918-04-24 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Allein, jedem fällt auch auf, der an diese Fragen, so wie ich es eben erwähnt habe, herantritt, wie gestritten worden ist, gehandelt worden ist in der oft widerspruchvollsten Art von den einzelnen Forschern über Willensfreiheit und Unsterblichkeit. Da muss irgendetwas zugrunde liegen, welches es der Menschheit schwierig macht, einzudringen gerade in dasjenige, was nach dem tiefsten Seelenbedürfnissen so unendlich nahe den Bestrebungen der Menschenseele liegt. Dass in diesem Menschen etwas verborgen ist, welches hinausgeht über Geburt und Tod, das müsste sich auch wissenschaftlich erforschen lassen, - so sagte sich unablässig die Menschenseele. Und dass dem menschlichen Handeln so etwas zugrunde liegen muss, wie freies Entschließen, wie ein Nichtgebundensein an die Naturnotwendigkeit, an die der fallende Stein gebunden ist, das sagt sich auch die Menschenseele. Aber wenn sie dann versucht, über dasjenige, was ihr so nahe liegt, denkerisch nachzuforschen - sie kann glauben, zu dem einen oder zu dem anderen zu kommen; andere Erwägungen zeigen dann bald wiederum, dass man gegen das, was vorgebracht ist, ebenso viel einwenden kann als für die Sache, die vorgebracht worden ist.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/71b/1918-04-24/p006.json
Cite: GA 71b/1918-04-24/p006 · edition original