Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft

GA 71b/1918-04-24/p023 ·1918-04-24 · original (original)
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Das kann man nur dadurch, dass es einem wirklich gelingt, mit seinem Seelenleben einmal - zu Forschungszwecken selbstverständlich nur - abzusehen von aller Vergangenheit, die man durchlebt hat, von aller Zukunft, die man erwünscht, und einmal ganz nur mit der Seele in der Gegenwart zu leben, und zwar in einer möglichst überschaubaren Vorstellung; in einer Vorstellung, die man selber zusammengestellt hat, sodass man weiß, was drinnen ist. Und dieses muss man immer wieder und wiederum machen. Das ist das Charakteristische, dass man etwas macht, das möglichst weit entfernt ist von allem träumerischen Seelenleben. Niemals kann der in der richtigen Art ein Geistesforscher werden, der es liebt, sich so zu überlassen der Wollust des Hinträumens. Niemals kann der ein Geistesforscher werden, der es liebt, in falsch-mystischer Weise sich wollüstig hinzugeben an irgendetwas Unbestimmtes. Das ist nicht eine Vorbereitung zur Geistesforschung, Geistesforschung kann nur erlangt werden, wenn man etwas in der Seele durchlebt, was man selbst mit allem nur möglichen erreichbaren Grade des Bewusstseins in diese Seele hereinrückt und sich dann diesem Überschaubarem, selbst Hereingerückten ganz überlässt und immer wiederum überlässt. Ich habe das in meinen Schriften «Meditieren» genannt, und ich verstehe darunter das Meditieren im rechten Sinn. Dadurch wird man auf sein eigenes Bewusstsein, auf seine eigene Seelentätigkeit hingewiesen.

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