Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Lernt man Imagination, Inspiration, Intuition kennen, dann dringt man auch durch das innere Erleben tiefer ein in die materiellen Zusammenhänge - so sonderbar es aussieht - als diejenigen, die immer nur den Geist und den Geist erleben wollen. Dieses Geist-Erleben setzt voraus, dass man gerade untertauchen kann in das Materielle. Da erlebt man, was das Vorstellen, durch das wir so recht Mensch sind, eigentlich ist. Was geht im Unterbewussten vor, wenn wir vorstellen? sehr sonderbar, meine sehr verehrten Anwesenden, indem wir vorstellen, hungert unser Haupt. Das Haupt wird abgebaut. Jede Vorstellung, die vom Denken durchsetzt ist, ist ein partieller Hungerzustand. Asketiker, welche in falscher Weise vorgegangen sind, haben dann versucht, den ganzen Körper hungern zu lassen, um gewisse Vorstellungen hervorzurufen. Das ist das Falsche. Dasjenige, was geschehen soll, geschieht schon normalerweise durch ein gewisses labiles Gleichgewicht. Im Organismus sind wir eigentlich nur equilibriert, ernährt in Bezug auf den mittleren Organismus; in Bezug auf das Haupt aber nur, während wir schlafen. Während des ganzen Wachzustandes muss das Haupt in Unterernährung sein. Das ist die rückgehende Entwicklung. Das kommt von dem Zurücknehmen der Entwicklung, von dem Abbau.
Cite:
GA 71b/1918-04-24/p047 · edition original