Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Was ist es, was heute die Menschen dazu veranlasst, dass sie die Geisteswissenschaft als Phantasterei, als etwas Unwesentliches betrachten? Das ist es, dass sie in Wahrheit eine unterbewusste Furcht und Angst haben vor jener Kraft, die entwickelt werden muss, die im freien Erleben des Geistes diesen Geist selber erfassen muss. Unterbewusste Furcht und Angst ist es, die immer wiederum die Gegner der Geisteswissenschaft hervorruft. Denn um geistig zu forschen, ist notwendig dieser innere Mut, der nicht glaubt, dass man sofort in das Nichts hineinverfällt, wenn man angewiesen ist, etwas, was man erleben soll im Geiste, durch die eigene Kraft aufrechtzuerhalten, durch eigene Kraft vor die Seele hinzurücken. Leichter ist es gewiss, durch äußere Mittel zu den Lebensrätseln kommen zu wollen, als hingewiesen zu werden darauf, dass die Seele eine über alles Maß des gewöhnlichen Lebens hinausgehende innere, rein seelische Erstarkung braucht. Und so ist es im Grunde eine Bequemlichkeits- und Angstmeierfrage, welche die Gegnerschaft gegenüber der Geisteswissenschaft hervorruft. Aber diese Dinge werden nach und nach von der nach der Wahrheit immer mehr dürstenden Menschheit überwunden werden.
Cite:
GA 71b/1918-04-24/p067 · edition original