Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Daraus sieht man aber, dass es sich handeln müsse bei demjenigen, was wirkliche Geistesforschung ist, um etwas, was alle Vorsicht kennt, die notwendig ist, um auszuschließen das, was in so unbestimmter Weise durch das menschliche Seelenleben hindurchflutet und heraufkommen kann in einer unerklärlichen und zu allen möglichen Täuschungen leicht zu verleitenden Weise. Man muss sich sagen: Da flutet Verschiedenes, und wenn man das ins Auge fasst, was menschliches Gedächtnis ist, so sollten einem eigentlich bald einfallen alle einzelnen Möglichkeiten, von der gewöhnlichen trockenen, nüchternen Erinnerung an irgendetwas Bestimmtes, was man überschaut, bis zu den unbestimmten Reminiszenzen der Drehorgeltöne, hinter die man vielleicht gar nicht kommt, wenn man nicht die Augen schließt und der Sache nachgeht. Geisteswissenschaft muss sich bewusst sein, dass alles das, was also trügerisch an den Menschen herankommen kann, methodisch von ihr verarbeitet werden muss; dass ihr obliegt, gerade mit einer streng methodischen Arbeit an das menschliche Selbst heranzugehen, gerade den prinzipiellen Fragen der menschlichen Selbsterkenntnis gegenüber.
Cite:
GA 71b/1918-05-01/p017 · edition original