Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
So, wie wir das Gefühl der Liebe haben können gegenüber dem anderen Menschen, der ganz abgesondert ist von uns, den wir dann gerade recht lieben, wenn wir uns bewusst sind, dass er abgesondert ist für sich, dass wir mit nichts, was mit unserem Egoismus zusammenhängt, einen Einfluss haben wollen, dass wir ihn um seinetwillen lieben, nicht um unseretwillen, wenn wir dieses Gefühl haben, so ist es zweifellos das Ideal der Liebe, jener Liebe, von der ich glaube eben, dass sie nicht blind, sondern sehend macht. Und diese Liebe kann auch entfaltet werden gegenüber einer Handlung, gegenüber dem, was zu tun ist, wenn wir uns rein der Anschauung dieser Handlung hingeben. Unter den mannigfaltigen Handlungen, die aus unseren Trieben, Begierden herausfließen, sind auch solche, bei denen wir uns wenigstens nähern dem Impulse, der rein aus Liebe zur Handlung dasjenige vollführt, was er unternimmt.
Cite:
GA 71b/1918-05-01/p026 · edition original