Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Ebenso wenig sucht Geisteswissenschaft dasjenige, was bloße Phantasievorstellung ist; denn dasjenige, was er übt, wird auf die charakterisierte Weise — das bleibt nicht Phantasievorstellung, sondern das verdichtet sich -, das wird innere Wirklichkeit, und man merkt, dass man von einem bestimmten Punkte der Entwicklung ab nicht mehr kann Bild an Bild reihen, sondern dass sich von selbst Bild an Bild reiht. Man merkt, es wird mit diesem inneren Erleben in der Imagination nach und nach so, wie es außen in der Welt mit den Gegenständen ist. Sie können einen Stuhl auf einen Tisch stellen - das entspricht der äußeren Gesetzmäßigkeit, sie können aber nicht einen Stuhl in freier Luft schweben lassen. Die Außendinge in ihren gegenseitigen Verhältnissen erfordern, wenn wir mit ihnen handeln wollen, dass wir uns den äußeren Gesetzen fügen. So stößt man, indem man Imagination entwickelt, in einem bestimmten Punkte daran, dass man innerlich gar nicht mehr kann in beliebiger Weise Bild an Bild reihen, sondern dass man muss dasjenige an das andere ansetzen, was mit eben solcher Notwendigkeit angesetzt werden muss, wie der Stuhl auf den Tisch gestellt werden muss. Man erlebt innere geistige Notwendigkeit.
Cite:
GA 71b/1918-05-01/p040 · edition original