Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Der Imagination gegenüber ist man nämlich in der folgenden Lage, in einer Lage, wie man wäre, einem Auge gegenüber wäre, das getrübt wäre; man sieht nicht durch es. Die Imaginationen hat man, um das Selbstbewusstsein geistig zu erstarken, eigentlich geistig zu erlangen. Das, was man für sich gewinnt, ist zunächst die Folge des imaginativen Lebens; aber man ist gewissermaßen blind für die geistige Umwelt. Die Imaginationen sind noch nicht durchsichtig; wie das Auge durchsichtig sein muss im Glaskörper, [so]dass die Außenwelt gesehen werden kann, so durchsichtig müssen die Imaginationen gestaltet werden. Das können wir dadurch [erreichen], dass wir immer mehr und mehr fortschreiten nicht bloß zum Bilden der Imaginationen, sondern zum inneren Erleben dieser Imaginationen.
Cite:
GA 71b/1918-05-01/p043 · edition original