Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Und jetzt, wenn man sich erhoben hat zu der Möglichkeit der Inspiration, jetzt tritt einem die Welt in einem neuen Licht entgegen, jetzt sprechen nicht Sinneswahrnehmungen um uns - die haben wir ja unterdrückt -, jetzt tritt uns eine geistige Welt vor das geistige Auge, um diesen Goethe’schen Ausdruck variiert zu gebrauchen. Und jetzt kann man wiederum zurückgehen auf die Fragen, die einem im gewöhnlichen Leben rätselvoll entgegentreten. Man kann, indem man gelernt hat, was Inspiration ist, sich jetzt dem gegenüberstellen, was ich vorhin charakterisiert habe, dass richtiges oder unrichtiges Denken hereinflutet in das bloße Spiel der Vorstellungen. Untersucht man, nachdem man sich einmal zur Inspiration erhoben hat, sein Seelenleben mit derjenigen Klarheit, die jetzt möglich ist, lernt man mithilfe von Imagination und Inspiration kennen den Unterschied des gewöhnlichen Spieles der Vorstellungen und des Gedächtnisses, dessen, was ins gewöhnliche Bewusstsein hereinstrahlt unter dem Gesichtspunkte des Richtigen oder Unrichtigen, dann kommt man zu einem sehr merkwürdigen Ergebnis, dann kommt man dahin, sich zu beantworten, wie das eigentlich an den Menschen herantritt, was als logisch richtiges oder unrichtiges Denken in die Seele hineinflutet. Das zeigt sich in seiner wahren Gestalt erst vor der Inspiration.
Cite:
GA 71b/1918-05-01/p048 · edition original