Der übersinnliche Mensch und die Fragen der Willensfreiheit und Unsterblichkeit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft
Heute möchte ich, die Betrachtung beschließend, zusammenfassen in zwei Sätzen dasjenige, was ich aus der geisteswissenschaftlichen Betrachtung des freien Handelns und der Seelenunsterblichkeit vor Ihnen herausgeholt habe, was ich versucht habe zu zeigen: dass man nicht die Freiheit verstehen kann, ohne die Unsterblichkeit zu erkennen, und die Unsterblichkeit nicht, ohne die Konsequenz der wirklichen Unsterblichkeit, die Freiheit, anzuschauen. Der unsterbliche Mensch ist ein freier Mensch, das aus der Unsterblichkeit stammende Wollen ist ein freies. Der Mensch nähert sich mit seinen gewöhnlichen Handlungen diesen freien Handlungen. Der sterbliche Mensch ist auf dem Wege zur Freiheit. Indem der sterbliche Mensch den unsterblichen immer mehr und mehr in sich zu einem bewussten Wesen erhebt, wird er sich seiner Freiheit bewusst. Der Mensch ist zur Freiheit geboren, aber er muss sich zur Verwirklichung der Freiheit selbst erziehen.
Cite:
GA 71b/1918-05-01/p065 · edition original