Der Mensch und das geschichtliche und moralische Leben der Menschheit nach Ergebnissen der Geisteswissenschaft

GA 71b/1918-05-03/p006 ·1918-05-03 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Ja, sehr verehrte Anwesende, noch ein anderes, ähnliches möchte ich anführen - es könnten Hunderte und Tausende von Beispielen in dieser Richtung gegeben werden -, noch ein anderes will ich anführen, das abgegeben hat eine Persönlichkeit, an deren Genialität ja jedenfalls niemand zweifeln kann; eine Persönlichkeit, die sich dazu berufen fühlte, Fragen sich zu stellen: Was sagt Geschichte über das menschliche Leben der neueren Zeit aus? Diese Frage sich vorzulegen beim Antritt seiner Universitätsprofessur, und diese Persönlichkeit, die dieses Urteil abgegeben hat, sie ist keine geringere als Friedrich Schiller. Und welches Urteil gab Friedrich Schiller ab da, als er sich gedrängt fühlte, die Wirkung des historischen Studiums auf seine Seele bei seiner Antrittsvorlesung instinktiv zum Ausdruck zu bringen? Schiller sagte dazumal, 1789: Die Geschichte lehrt, dass die Völker der europäischen Menschheit als eine große Familie endlich sich herausgebildet habe, innerhalb welcher es wohl noch diese oder jene Differenzen geben könne, innerhalb welcher aber niemals wieder eintreten könne, dass sie sich gegenseitig zerfleischen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/71b/1918-05-03/p006.json
Cite: GA 71b/1918-05-03/p006 · edition original